23. N Klub Hamburg richtet 15 Forderungen an Bürgermeister Olaf Scholz

  • /
  • November 27, 2014

Zum N Klub, dem ausgezeichneten Netzwerkformat zum Thema Nachhaltigkeit, begrüßten Claudia Westhaus (Vorsitzende Förderkreis Koppel 66 e.V.) und Tobias Schlegl (Moderator und Buchautor) rund 100 Gäste, darunter den Ersten Bürgermeister der Stadt Hamburg, Olaf Scholz, in der „Koppel 66“ in St. Georg.

Im Zentrum des Abends stand ein Gespräch zwischen Gastgeber und „aspekte“-Moderator Tobias Schlegl und Bürgermeister Olaf Scholz. Schlegl konfrontierte Scholz darin mit 15 zentralen Forderungen, die die nachhaltig engagierten Hamburger im Vorfeld formuliert hatten. Darunter: Mehr Flüchtlinge unterbringen und integrieren, Atomtransporte durch den Hafen verbieten bzw. verstärkt reglementieren und eine eigenständige Umweltbehörde schaffen. Auf die Forderungen reagierte Scholz mit einer Aufzählung des Erreichten, so etwa auf den Wunsch nach einem vehementen Vorgehen gegen die soziale Spaltung der Stadt: „In einer ganzen Reihe von Felder haben wir dazu beizutragen, dass Jeder ein unabhängiges und eigenständiges Leben führen kann. Besondere Bedeutung haben die Mehrausgaben für Bildung im Vergleich zu den Jahrzehnten zuvor – wir haben 2,5 Millionen Euro pro Jahr mehr für Krippen und Kitas ausgegeben und damit dafür gesorgt, dass es in Hamburg als einziger westdeutscher, großer Stadt eine ganztägige Betreuung in Kitas und Krippen gibt, die halbtags gebührenfrei ist.“ Auch die Ganztagsbetreuung an Schulen sowie die Möglichkeit, in Hamburg wieder gebührenfrei studieren zu können, führte Scholz als Errungenschaften seiner Regierungszeit an. „Der zweite wichtige Punkt und ein wichtiges Anliegen für mich in Bezug auf das Vorgehen gegen die soziale Spaltung ist, dass sich jeder eine Wohnung leisten können muss. Deshalb haben wir den sozialen Wohnungsbau ausgebaut, 35.000 Baugenehmigungen erteilt, 6.000 Wohnungen pro Jahr gebaut und durchgesetzt, dass ein Drittel davon geförderter Wohnraum ist, also Sozialwohnungen.“

Auf die Frage „Wie kann die Stadt nachhaltiges Unternehmertum unterstützen“ betonte Olaf Scholz, dass man eine Förderkulisse schaffen müsse, in der Unternehmensgründungen besser funktionieren. „Als letztes der Länder haben wir aus der früheren Wohnungsbaukreditanstalt eine Förderbank gemacht, die es möglich macht, Förderkonzepte für Unternehmensgründungen zustande zu bringen.“ Ferner sei auch in diesem Punkt die Finanzierbarkeit von Räumlichkeiten, ähnlich wie im Wohnungsbau, ein wichtiger Aspekt, für den er sich einsetze.

Im Anschluss formulierte Tobias Schlegl einen persönlichen Wunsch an den Bürgermeister: dass Olaf Scholz sich im Falle seiner Wiederwahl in einem Jahr erneut den Fragen des „N Klub“ stellt – und Rechenschaft darüber ablegt, ob er bis zu diesem Zeitpunkt einige der Forderungen erfüllt hat.

Im Anschluss an die Diskussion spiegelten vier „100 Sekunden“-Beiträge das bunte, vielseitige Engagement im Bereich der Nachhaltigkeit in Hamburg wider: Mit dem Motto „Vom Acker bis zum Teller, vom Aktionär bis zum Verbraucher“, startete Ulf Schönheim von „Regionalwert AG Hamburg“ in seinen Vortrag. Die „etwas andere“ Aktiengesellschaft möchte die regionale Landwirtschaft und Verarbeitung stärken, indem sie Bauernhöfe finanziert und gleichzeitig in Weiterverarbeiter investiert. Mit ihrem Repair-Café Sasel engagiert sich Kristina Deselaers gegen die Wegwerfgesellschaft. Bei Ihren Veranstaltungen helfen Fachleute Besuchern kostenlos bei der Reparatur von defekten Gegenständen. Die Bilanz des vergangenen Jahres: Von 994 kaputten Dingen die Besucher mitbrachten, funktionieren 553 nun wieder. Mit dem Projekt „Hundebande“ ermöglichen Manuela Maurer und ihre Mitstreiterinnen Strafgefangenen eine zweite Chance. Sie werden in die Ausbildung von Blindenhunden eingebunden und können dadurch Eigenverantwortung sowie soziale Verantwortung entwickeln. Zum Abschluss rief Gudrun Greb dazu auf, einen anderen, praxisbezogenen gesetzlichen Rahmen für den Umgang mit Drogenkonsumenten zu schaffen. In direkter Nachbarschaft der Koppel 66 bietet sie mit dem Verein „ragazza“ drogenkonsumierenden Prostituierten einen Rückzugort.

Bei den zwei Aktionen des N Klub zur Förderung von CO2-neutraler Mobilität wurden folgende Gewinner verkündet: Das N-Klub-Bambusfahrrad „my Boo“ darf Christiane Dopp von der Filmförderung Hamburg für eine Woche nutzen, um sich zukünftig auch mobil für die grüne Filmwirtschaft einzusetzen. Das vom Autohaus Schlegel für einen Monat kostenfrei bereitgestellte E-Mobil Citroën C Zero erhält die Koppel 66. Das vielfältige Haus für Kunsthandwerk und Design benötigt Mobilität für den Transport von Materialien.

Der N Klub, die preisgekrönte Kommunikationsplattform zum Thema Nachhaltigkeit, bringt in Hamburg bereits seit 2009 Interessierte dieser wachsenden Branche zusammen. Auf Grund des steigenden Interesses expandierte der N Klub inzwischen nach Hannover und Frankfurt.

Zu den Gästen des 23. N Klub zählten unter anderem (in alphabetischer Reihenfolge): Samir Besic (Geschäftsführer, Erdkorn GmbH Bio-Lebensmittel-Filialbetrieb), Martin Bill (Sprecher für Umwelt, Klima- und Naturschutz, GRÜNE Bürgerschaftsfraktion Hamburg), Bassam Darwisch (Leitung Vertrieb und Marketing, Hamburg Energie GmbH), Katharina Fegebank (Landesvorsitzende, Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Dieter Großmann (Gründer, Ökopol GmbH Institut für Ökologie und Politik), Kay Ingwersen (Erster Vorsitzender, Förderverein Pik As e.V.), Sarah Kaufmann (Bloggerin und Autorin, veganguerilla.de), Annika Kownatzki (Leiterin Projekt „Neustart fürs Klima“, Verbraucherzentrale Hamburg e.V.), Jan Muntendorf (Leiter Bereich Nachhaltigkeit, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald), Guido Noack (Gebietsleiter Nord, Voelkel Naturkostsäfte), Manfred Ott (Inhaber, MARLOWE NATURE – fair fashion), Hanna Poddig (Aktivistin), Dannie Quilitzsch (Standortleitung, Social Impact Lab Hamburg), Josef Reppenhorst (Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, Hamburg Leuchtfeuer), Thomas Schönberger (Vorsitzender, VEBU: Vegetarierbund Deutschland) und Andreas Tjaden (Mitglied des Vorstands, Schatzmeister, BUND Hamburg).

 


Leave a Comment.