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„Alle Demokraten brauchen jetzt eine klare Haltung.“

Die Hamburger Politik, Nachhaltigkeits- und Kulturszene trafen gestern Abend, 06. Feburar 2020, im St. Pauli Theater aufeinander: Das Nachhaltigkeitsnetzwerk N Klub lud in Zusammenarbeit mit der SPD Bürgerschaftsfraktion zur Veranstaltung „Was geht – Der N Klub fragt nach?!“.

Im Mittelpunkt des Abends stand die Sonderausgabe des Formats „Der N Klub fragt nach?!“: N Klub-Initiator und Geschäftsführer der Gute Leude Fabrik Lars Meier diskutierte mit Olaf Scholz (Bundesfinanzminister) unter anderem über die Themen Nachhaltigkeit sowie aktuelle politische Ereignisse und deren Auswirkungen auf die Hansestadt.

Lars Meier stieg mit seiner ersten Frage direkt mit dem aktuellen Thema zur Wahl in Thüringen ein. Olaf Scholz konnte seine Entrüstung diesbezüglich nur schwerlich zurück halten: „Ich hatte das Gefühl, das kann nicht wahr sein, dass so etwas in Deutschland passiert. Das ist ein Tabubruch in unserem Land, das kann nicht so stehen bleiben“, was mit frenetischem Applaus aus dem Publikum begleitet wurde. Seine Partei habe sich sofort zusammen geschaltet und miteinander festgelegt, was passieren soll. Es sei klar gewesen, dass die SPD-Parteispitze das Ganze gemeinsam stemmen müsse und dass sei seiner Meinung nach sehr gut gelungen. „Es ist ein sehr bedrückender Vorgang, dass eine rechtpopulistische Partei an der Regierungsbildung mitwirkt, das muss schnell bereinigt werden, das ist ein ganz zentraler Punkt. In Hamburg wurden bereits entsprechende Erfahrungen gemacht, was schlimm war, aber das ist nun noch eine Nummer schlimmer“, fuhr er fort. Die Führung der CDU/CDU sei jetzt explizit gefordert, zu handeln und nicht nur ihr Entsetzen nach außen zu tragen. „Alle Demokraten brauchen jetzt eine ganz klare gemeinsame Haltung, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann und Lösungen gefunden werden“, so Scholz.

Ob das Wahlergebnis auf die Hamburger Politik ausstrahlen könne war für Olaf Scholz eindeutig mit einem „JA“ zu beantworten. Derzeit scheinen die Hamburger sehr zufrieden mit der Politik in der Stadt zu sein. „Ich gucke mit Stolz auf Hamburg. Es werden viele Sozialwohnungen und weiterer Wohnraum geschaffen, wie es ein Beispiel für ganz Deutschland sein sollte.“ Auch der Park, der aktuell zwischen Alster und Elbe geplant wird, sei ein Thema wie viele andere, die schon seit Jahren im Gespräch sind und aktuell umgesetzt werden. Es mache ihn stolz, dass sich Hamburg in Themen der Nachhaltigkeit, der Digitalisierung sowie vieler aktueller Themen so weiterentwickele. Auch, wenn er heute durch Hamburg fährt und sieht, wie Dinge, die schon in seiner Amtsperiode besprochen wurden, jetzt finalisiert werden, werde er emotional und spüre die tiefe Verbindung zur Hansestadt Hamburg.

Weniger emotional wurde es bei den Themen Finanztransaktionssteuer oder Bonpflicht, die gerade in den Medien auf kritisches Echo stoßen. Bei der Finanztransaktionssteuer interessierte es Lars Meier mit einem Augenzwinkern, ob der Weg für private Anleger ins Ausland helfen würde, um die für Januar 2021 geplante Einführung zu umgehen? Olaf Scholz konnte dies ganz klar verneinen, da in vielen Ländern die Steuer bereits zum Alltag gehöre.

Auf die Frage, ob er nach seinen vielen politischen Jahren immer noch das Wieder-Aufstehen-Gen habe konterte Scholz direkt, dass dies nicht wichtig sei, sondern stattdessen der kontinuierliche Wille, etwas voranzutreiben, etwas erreichen zu wollen im Vordergrund stehen müsse: „Wenn ich nichts mehr bewirke, wenn ich nichts mehr verändern will und denke, früher war alles besser – dann muss man aufhören“, beschrieb Scholz seine Motivation und seine politische Arbeit. „Es geht um die Bürger und generell um alle Menschen. Politik sollte man immer aus Liebe machen.“

Im Vorfeld des Interviews sorgte eine spannende Panel-Diskussion für viel Gesprächsstoff unter den 300 Gästen. Moderiert von Arne Platzbecker (Wahlkreiskandidat der SPD für den 1. Wahlkreis) sprachen Dr. Carsten Brosda (Senator für Kultur und Medien), Frauke Thielecke (Regisseurin) und Ulrich Waller (Regisseur & künstlerischer Leiter des St. Pauli Theater) über Nachhaltigkeit in der Kulturszene und den kulturellen Nachholbedarf in der Hansestadt.

Direkt nach dem Einstieg von Arne Platzbecker, dass Kultur und Politik zusammengehören, waren sich die Talkgäste einig, dass ein intensiverer Austausch innerhalb der Kulturszene – auch spartenübergreifend – stattfinden müsse. „Hamburg und Deutschland generell können immer noch vom Ausland lernen, vor allem was Offenheit angeht“, stieg Frauke Thielecke in das Gespräch ein. Vor allem in den USA werde man mit einer guten Idee offen empfangen, während in Deutschland zuerst die vorangegangenen Projekte und die Vita überprüft werden, bevor man eine Chance bekomme, fuhr sie fort. Carsten Brosda sah bei der gesellschaftlichen Offenheit Nachholbedarf und formulierte seinen Wunsch an Kulturschaffende – mit Blick auf die Ereignisse in Thüringen – ganz klar: „Wir müssen es miteinander schaffen, die Offenheit vorzuleben, die gerade in Gefahr ist.“ Kultur entziehe sich Kennzahlen und Zählsystemen und man brauche mehr offene Räume und Kulturorte, an denen man losgelöst funktionieren, zum Nachdenken anregen und Dinge zusammen bringen könne. Auf die Frage, wie intelligent Kultur in der heutigen Zeit überhaupt sein dürfe, stellte Ulrich Waller heraus, dass intelligente Kultur in Deutschland ganz anders bewertet würde als im Ausland: „Die Frage, ob Kultur überhaut hochwertig ist, ist ein merkwürdiges deutsches Phänomen“. Seiner Meinung nach habe Brosda ein klares kulturelles Gesamtbild vor Augen, was seiner Meinung nach sehr wichtig sei, um nicht nur zu reagieren, sondern langfristig eine Vision – auch für die Hansestadt – zu haben.

Das vollständige Interview mit Robert Habeck könnt ich euch in unserem Podcast noch einmal anhören:

„Wir leben in einer Zeit, in der die Dinge ins Rutschen geraten sind.“ – Robert Habeck bei „N Klub fragt nach“-Spezial in der St. Pauli Kirche

Grün und nachhaltig wurde es am Dienstag, dem 18.12.2019 in der St. Pauli Kirche: Die Grüne Bürgerschaftsfraktion lud gemeinsam mit dem Nachhaltigkeitsnetzwerk N Klub zur Veranstaltung „Die Grüne Wirtschaft trifft Der N Klub fragt nach?!“.

Im Mittelpunkt des Abends stand die Sonderausgabe des Formats „Der N Klub fragt nach?!“: N Klub-Initiator und Gute Leude Fabrik-Geschäftsführer Lars Meier diskutierte mit Robert Habeck (Bundesvorsitzender BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) unter anderem über das Thema „Wo muss Politik Akzente für eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung setzen?“.

Angesprochen auf die viel diskutierte CO2-Steuer stellt Robert Habeck heraus: „Der CO2-Preis fängt mit 25 Euro an, eine Lenkungswirkung zu erzielen. Unternehmen, die Kohle verwenden, fangen aktuell an über Alternativen nachzudenken“. Zurzeit gehe es in der Politik darum, sinnvolle, geplante Kompromisse einzugehen. Habeck führt weiter fort, dass Kompromisse kein Zeichen für Scheitern seien, sondern vielmehr ein Anreiz dafür geben sollten, um parteiübergreifend gemeinschaftlich weiter voran zu schreiten. Angesprochen auf Fridays for Future sieht er hier die große Gefahr, eine ganze Generation für die kommenden 30 Jahre zu verlieren. Sollte die Politik hier nicht auf die Verzweiflung der jungen Menschen eingehen und entsprechende Themen auf den Weg bringen, würden sich diese entweder radikalisieren oder enttäuscht von der Demokratie zurückziehen, so Habeck.

In Katharina Fegebank sieht er eine Person, die die Lebensfreude und Unmittelbarkeit verkörpert, um solche Themen anzugehen und die Hansestadt Hamburg auf dem Weg in die Zukunft zu begleiten. „Sie weiß, ob die Züge pünktlich kommen und wie man Bier trinken darf, ohne vom Schaffner weggebürstet zu werden“, ergänzt Habeck. Seine öffentliche Position sieht er etwas kritisch, weil das Bild eines Politikers bestimmte Assoziationen bei den Menschen wecke und vielfältige Erwartungen an seine Person. Er dürfe dann nicht mehr fliegen, nicht auf Kreuzfahrt gehen oder beim Discounter einkaufen, weil es nicht zu dem öffentlichen Bild passe: „Wir dürfen uns dann auch nicht wundern, wenn manchmal Beschlüsse in der Politik gefasst werden, die an den Bedürfnissen der Menschen vorbei gehen“, schließt Habeck ab.

Im Vorfeld des Interviews sorgte eine spannende Panel-Diskussion für viel Gesprächsstoff unter den 320 Gästen. Moderiert von Dominik Lorenzen (Abgeordneter der Grünen Bürgerschaftsfraktion und Sprecher für Wirtschafts- und Hafenpolitik) debattieren Wybcke Meyer (Geschäftsführerin TUI Cruises), Tarek Müller (Geschäftsführer About You) und Antje Schubert (Geschäftsführerin Iglo) um die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen.

„Wir dürfen nicht mit dem Zeigefinger voran gehen, sondern müssen dem Verbraucher die Möglichkeit geben auszuwählen“, stellt Antje Schubert auf die Frage nach der Zukunftsvision der Firma Iglo heraus. Verschiedenste, technische Möglichkeiten, die wachsende Nachfrage nach Nahrung hinsichtlich steigender, globaler Bevölkerung zu sichern, böten Chancen, dieser Nachfrage nachzukommen. Entsprechende Subventionen und Anreize müssten hierzu geschaffen werden, um diese Ziele zeitnah umzusetzen. Für den Tourismus-Bereich sind entsprechende Knöpfe schon gedrückt, um die Kreuzfahrt zukünftig attraktiv, nachhaltig und emissionsfrei zu gestalten, stellt Wybcke Meyer in diesem Zusammenhang heraus. „Deutschland hat eine große Chance, um synthetische Kraftstoffe herzustellen“, fügt sie hinzu. „Wir wollen bereits 2020 emissionsfrei sein“, erklärt Tarek Müller unter zustimmendem Applaus der Gäste. Entsprechende, selbst für das Unternehmen überraschend kostengünstige Alternativen habe About You bereits schon umgesetzt. Man müsse Unternehmen durch entsprechende Sanktionen und Strafen, vor allem im CO2-Ausstoß, auf den richtigen Weg bringen, um Unternehmen, die bereits in der Umstellungsphase sind, zu stärken. Gleichzeitig müsse man aber auch dafür sorgen, dass Firmen nicht durch Sanktionen aussterben, sondern diese durch Förderungen und rechtliche Grundlagen unterstützen.

Das vollständige Interview mit Robert Habeck könnt ich euch in unserem Podcast noch einmal anhören:

„Wir haben eine vielleicht historische Situation…“ – Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank zu Gast beim 41. N Klub

Vorweihnachtlich ging es am Montag, dem 02. Dezember, bei der 41. Ausgabe des N Klub zu. Den passenden Rahmen für die Weihnachtsausgabe des Nachhaltigkeitsnetzwerks bildete die ehrwürdige St. Pauli Kirche. Das Highlight des Abends: Das Format „Der N Klub fragt nach?!“, zu dem Initiator Lars Meier Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank als Gesprächspartnerin begrüßen durfte.

Gleich zu Beginn stellte Fegebank fest, dass sie sehr überrascht über das Wahlergebnis zur SPD-Bundesvorsitzendenwahl sei: „Ich habe gesagt, ich tippe auf 65 Prozent für Scholz/Geywitz. Ich habe richtig fett danebengelegen. Ich kann das auch bis heute noch nicht richtig nachvollziehen.“ Für die Bürgerschaftswahl in Hamburg sagte sie ebenfalls Spannung voraus: „Wir haben in Hamburg eine seit Jahren, seit Jahrzehnten, vielleicht eine historische Situation, dass die Stadt eine echte Wahl hat. Das hatten wir lange nicht. Die Wahlauseinandersetzung wird hoffentlich sehr spannend. Ich finde, gerade in Zeiten, in denen wir davon sprechen, wie es um unsere Demokratie bestellt ist, ist das eine total gute Botschaft.“

Katharina Fegebank im Gespräch mit Lars Meier

Den Unterschied der Grünen zur SPD sieht sie vor allem darin, dass bei ihrer Partei keine Idee verloren gehe und ein politisches Klima geschaffen werde, bei dem man keine Angst haben müsse, auch mal zu scheitern. Auf die Frage, welche Charaktereigenschaften ihrer Meinung nach ein Bürgermeister haben müsse, antwortete die Zweite Bürgermeisterin: „Man braucht eine kraftvolle Idee, eine Vision, wo es für die Stadt hingehen soll und die Fähigkeit, die Menschen dafür zu begeistern, diesen Weg mitzugehen.“ Zudem sieht sie Durchsetzungsstärke als wichtige Voraussetzung für das Amt. Für den Wahlkampf wünscht sich die 42-jährige vor allem einen fairen Umgang miteinander: „Die Hamburgerinnen und Hamburger haben einen Anspruch auf eine Regierung, die sie fünf Jahre regiert und nicht vier Jahre und ein Jahr Wahlkampf.“ In Berlin beispielsweise habe man gesehen, was passiert, wenn man die Segel raushole: „Ich finde, so macht man keine Politik miteinander. Hart in der Sache, fair im Umgang.“ Außerdem sei Respekt voreinander und füreinander von enormer Bedeutung: „Man muss sich doch auch immer wieder an einen Tisch setzen. Deshalb hoffe ich einfach, dass die Auseinandersetzung fair wird und wir uns nicht unter der Gürtellinie beharken werden.“

Eröffnet wurde der Abend mit 120 Gästen durch ein gemeinsames Singen mit Pastor und Gastgeber Sieghard Wilm, gefolgt von der Impulsrede von Friederike Krüger. Die Hannoveranerin hat als Lehrerin an der „Mosaic“-Expedition des Forschungsschiffs „Polarstern“ teilgenommen und berichtete unter anderem von ihrer Reise, den Folgen des Klimawandels sowie der Bedeutung von Schulunterricht in diesen Bereichen. Sie zeigte außerdem auf, dass Lehrer Multiplikatoren sind und täglich bis zu 120 verschiedene Kinder erreichen: „Der Lehrerjob ist ein wenig in Verruf geraten, dabei haben wir eine unglaubliche Chance, wenn wir es gut machen.“ Sie forderte, dass bei Veranstaltungen und Diskussionen auch an Lehrer gedacht werden solle, die die gewonnenen Erkenntnisse wiederum an ihre Schüler weitergeben.

Impulsrednerin Friederike Krüger

Einen weiteren Höhepunkt des Abends bildeten die traditionellen „100 Sekunden“-Kurzvorträge, bei denen fünf Hamburger Initiativen ihre Projekte für mehr Nachhaltigkeit vorstellten. Zu Beginn präsentierte der Verein Youth against AIDS das Buch „FAQ YOU“, das passend zum Welt-Aids-Tag am 01.12. erschien, und Michaela Barthel die Initiative Bee and You, die Bienen eine Stimme geben möchte. Des Weiteren stellte Nussin Armbrust ihre Veranstaltung „Fest der Liebe – Heiligabend nicht allein“ vor, bei der Alleinstehende ein gemeinsames Weihnachtsfest feiern können, und die Behörde für Umwelt und Energie erläuterte das Netzwerk Green Events für nachhaltige Veranstaltungen. Den Abschluss bildete die Initiative Hamburg muss handeln. Dieses Projekt setzt sich dafür ein, dass unter anderem die von Fridays for Future geforderten Maßnahmen von der Bürgerschaft umgesetzt werden.

Die Protagonisten der 100 Sekunden

Ebenfalls eine feste Größe beim N Klub ist der PSD Bank Nord-Förderpreis: Der mit 2.500 Euro dotierte Preis wurde bereits zum zehnten Mal vergeben und ging an diesem Abend an Hamburg Leuchtfeuer. Die Initiative baut momentan ein gemeinnütziges Wohnprojekt für chronisch kranke Menschen und möchte ein Lastenfahrrad bauen, um den Bewohnern Fahrradtouren durch Hamburg zu ermöglichen.

Josef Reppenhorst (l.) mit Frank Neitzel von der PSD Bank Nord

„Der N Klub fragt nach?!“ mit Katharina Fegebank könnt ihr ab sofort in unserem Podcast noch einmal nachhören:

Als Gäste des Abends waren u.a. dabei:
Tobias Albert (Hamburg Tourismus GmbH), Ingo Fehr (Flughafen Hamburg GmbH), Kübra Gümüşay (Journalistin), Florian Hardegen (KlimaINVEST Green Concepts GmbH), Janina Heel (Hamburger HOCHBAHN), Nike Hornborstel (On Purpose), Lena Knoop (Team Green OCF Consulting), Dirk Lehmann (Lehmanns Bio Service), Kurt Maier (Behörde für Umwelt und Energie), Nikolas Migut (Strassenblues), Lisa Pinkowski (BDO AG), Tobias Schlegl (Moderator), Christine Stecker (Universität Hamburg)

„Wir kämpfen um die Zukunft unserer Gesellschaft“ – Hamburgs Sport- und Innensenator Andy Grote zu Gast beim 40. N Klub

Am Dienstagabend lud der N Klub zur mittlerweile 40. Ausgabe des Nachhaltigkeitsnetzwerkes ein. Den Rahmen für dieses Jubiläum bildete das neue kinder- und familienfreundliche JUFA Hotel in der HafenCity. Mit großer Spannung wurde von den 120 Gästen das Format „Der N Klub fragt nach?!“ erwartet, zu dem Gastgeber und Initiator Lars Meier Hamburgs Sport- und Innensenator Andy Grote als Gesprächspartner begrüßen durfte. Aus aktuellem Anlass waren auch die Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen Thema. Der Innensenator stellte in der Diskussion um die zukünftige Deutungshoheit in politischen Debatten fest: „Wir befinden uns in einer Kampfsituation. Wir kämpfen um die Zukunft unserer Gesellschaft.“ Trotz des schlechten Abschneidens der Volksparteien, sieht Grote eine Chance, diesen Kampf zu gewinnen: „Am Ende hatten immerhin in beiden Bundesländern die regierende Volkspartei es noch ein Stück weit abgefangen. Das zeigt, dass noch eine Chance besteht, etwas entgegenzusetzen.“ Sehr gefährlich sei allerdings, dass Menschen aus den neuen Bundesländern das Gefühl haben, nicht in dem gesamtdeutschen politischen Diskurs vorzukommen: „Damit müssen wir schon ernsthaft umgehen.“

Lars Meier im Gespräch mit Innensenator Andy Grote bei „Der N Klub fragt nach?!“

Ebenso stehe im Bereich der Nachhaltigkeit ein harter Kampf bevor: „Wir hatten das Gefühl, in Deutschland passiert doch schon ganz viel und wir sind Vorreiter.“ Initiativen wie Fridays for Future haben laut Grote allerdings an diesem Selbstverständnis gerüttelt: „Dadurch hat es auch bei mir eingesetzt, mich wieder mehr damit zu beschäftigen.“ Seine Behörde sieht Grote schon, obwohl noch sehr viel zu tun sei, auf dem richtigen Weg: „Wir nehmen europaweit den ersten mit Wasserstoff betriebenen Streifenwagen in Betrieb.“ Außerdem habe die Innenbehörde die Idee, gemeinsam mit einem traditionellen Segelclub die Alster CO2-frei zu machen.

Natürlich waren auch Themen wie G20 und Ausschreitungen im Rahmen entsprechender Großveranstaltungen ein Thema, was gerade für den mit seiner Agentur in der Schanze ansässigen Lars Meier ein Herzensthema war: „Wir haben zu den ganz harten Eskalationen und zu den Einzelstraftaten keinen direkten Bezug zur Roten Flora festgestellt“, stellte Andy Grote fest. Daher sei es nicht gerechtfertigt, eine Diskussion zur Räumung der Flora anzufangen. Denjenigen, die das zur Diskussion gebracht hätten, ginge es nicht darum, ein gutes Miteinander zu finden und sich ernsthaft damit zu beschäftigen: „Das war reine politische Brandstifterei.“

Bereits vor dem Gespräch mit Innensenator Andy Grote, gab Markus Sauerhammer in seiner Impulsrede Anregung für mehr nachhaltiges Denken und Handeln. Der 1. Vorsitzende des Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland sprach über die Gestaltung der Zukunft von Gesellschaft in Verbindung mit digitalem Wandel. Besonders inspiriert wurden die Gäste durch seine Thesen: „Obwohl wir so viel zu bieten haben, sitzen wir da, verwalten den Status Quo und glauben, damit Zukunft gestalten zu können.“ In Deutschland gehe es nur um die Maximierung der Investorenrendite. Selbst bei sozialen Start-ups gäbe es keine Förderung und keine Möglichkeit, das Start-up auszubauen.

Impulsredner Markus Sauerhammer

Mit großer Vorfreude wurden die traditionellen „100 Sekunden“-Kurzvorträge erwartet. Hierbei stellten vier Hamburger Initiativen ihre Projekte für mehr Nachhaltigkeit vor. Zu Beginn präsentierte Ralf Portugall die Initiative PFIFF. Der Fachdienst für Familien setzt sich seit 1991 dafür ein, dass Kinder sich gesund, kind- und altersgerecht entwickeln können. Verwurzelt in der Pflegekinderhilfe werden hier Herkunftsfamilien wie auch Pflegefamilien und Paten beraten und begleitet. Ebenfalls mit dabei: Chrisdian Wittenburg vom Verein UTE, der für den engagierten Umgang mit Behinderten wirbt und Alexandra Herget von TUTAKA. Diese Initiative hat das Ziel, Gastgeben nachhaltiger zu machen. Zum Abschluss stellte sich der Verein Freunde alter Menschen e.V. vor. Simone Sukstorf und ihr Team haben es sich zur Aufgabe gemacht, alte Menschen vor Einsamkeit und Isolation zu bewahren. Ein Thema, dass gerade in Zeiten von sozialen Medien und Digitalisierung immer aktueller wird.

Die Vortragenden der 100 Sekunden

Große Freude bei der Verleihung des neunten PSD Bank Nord-Förderpreis: Der mit 2.500 Euro dotierte Preis ging an diesem Abend an das Büro für Kultur- und Medienprojekte für das Projekt „creACTIv für Klimagerechtigkeit“. Bei creACTIv befassen sich Hamburger Schülerinnen und Schüler im Austausch mit Jugendlichen des globalen Südens mit den weltweiten Auswirkungen des Klimawandels. Gemeinsam werden künstlerische Präsentationen und kreative Aktionen zur Klimagerechtigkeit entwickelt.

Frank Neitzel von der PSD Bank Nord überreicht den Förderpreis an Frederike Seithel und Jan Laackmann

Als Gäste des Abends waren u.a. dabei:

Mathias Adler (Hamburger Tagesjournal), Christoph Behrens (Alchemist Hub), Prof. Dr. Michael Braungart (Gründer epea gmbH), Olaf Dechow (CSR Otto GmbH & Co. KG), Christian Freitag (Pressesprecher Hamburg Messe), Andy Grote (Innensenator), Joachim Hartz (HKS Handelskammer Hamburg Service GmbH), Varena Junge (Geschäftsführerin enyway GmbH), Frank Neitzel (Pressesprecher PSD Bank Nord), Mathis Neuburger (Hamburger Morgenpost), Christian Priemer (Hamburger Hochbahn), Britta Rolle (Geschäftsführerin CASA VERDE Immobilien), Kristina Sassenscheidt (Denkmalverein Hamburg), Mariann von Redecker (Ratherrn Brauerei GmbH)

„In den nächsten vier Jahren liegt die Barrierefreiheit im öffentlichen Personennahverkehr bei 100 Prozent“ – Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher zu Gast beim 39. N Klub

Eine außergewöhnliche Location mit einem besonderen Gast: Am Mittwochabend lud der N Klub zur 39. Ausgabe ein, dieses Mal in die U-Bahn-Haltestelle der U4 der HafenCity-Universität. Den Mittelpunkt des Abends bildeten die 15 Forderungen des Nachhaltigkeitsnetzwerkes für ein zukunftsfähiges Hamburg, die N Klub-Initiator Lars Meier seinem Gesprächspartner im Rahmen des Formates „Der N Klub fragt nach?!“ präsentierte. Vor fünf Jahren überreichte Lars Meier bereits ähnliche Forderungen an den damaligen Bürgermeister Olaf Scholz, jetzt stellte sich Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher der Liste des N Klubs. Die 130 anwesenden Gäste verfolgten das offene Bühnengespräch und die Ausführungen von Tschentscher mit großem Interesse. Besonders die Forderungen nach emissionsfreiem Gewerbeverkehr, einer besseren Infrastruktur für ältere Menschen und einer Nachhaltigkeitsstabsstelle in der Senatskanzlei wurden unter die Lupe genommen.

Lars Meier befragt Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher bei „Der N Klub fragt nach?!“

Auf den Punkt nach emissionsfreiem Gewerbeverkehr innerhalb des Ring 2, entgegnete der Bürgermeister: „Was den offiziellen Last-Mile-Transport von Paketdiensten angeht, sind wir 2025 wahrscheinlich schon sehr weit. Wir haben mit ihnen auf Neudeutsch einige ‚Letter of Intence‘ beschlossen und vereinbart, dass sie Elektrofahrzeuge im innerstädtischen Bereichen einsetzen und wir ihnen dafür die Voraussetzungen zur Umsetzung schaffen.“ Auf den Wunsch nach besserer Infrastruktur für ältere Menschen, blickt er positiv in die Zukunft: „Wir sind in den nächsten vier Jahren bei 100 Prozent behindertengerechten U- und S-Bahn-Stationen in Hamburg. Das macht uns in Europa auch keine andere Stadt vor.“ Die Nachfrage von Lars Meier, wie der aktuelle Status hier aussähe, entgegnete Tschentscher, dass man sich aktuell zwischen 80 und 85 Prozent bewegen würde, was ein sehr großer Fortschritt sei im Vergleich zu seinem Senatsantritt im Jahr 2011. Eine barrierefreie Stadt sei schließlich eine menschengerechte Stadt für alle und daher von enormer Bedeutung. Hier wies Tschentscher auch darauf hin, dass nicht nur ältere Menschen, sondern auch Menschen mit Behinderungen, Einschränkungen oder Familien mit Kinderwagen einen entsprechenden Zugang bräuchten. Er selbst habe aufgrund einer gesundheitlichen Einschränkung schon erlebt, wie schwierig eine Treppe in gewissen Situationen sei. Eine Nachhaltigskeitsstabstelle in der Senatskanzlei hält Tschentscher jedoch für ausgeschlossen: „Nicht jede wichtige Aufgabe kann man bei der Senatskanzlei anbinden, sonst bräuchten wir keine Fachbehörden mehr“.

Henrik Falk (links) und Lars Meier (rechts) übergeben die 15 Forderungen an den Bürgermeister

Den Auftakt des Abends bildete eine Begrüßungsrede des Vorstandsvorsitzenden der HOCHBAHN und Gastgebers Henrik Falk, gefolgt von der Impulsrede von Christian Hochfeld. Der Direktor der Denkfabrik Agora Verkehrswende ist Experte in den Bereichen Verkehr sowie Elektromobilität und präsentierte unter anderem Thesen für die Verkehrswende, sein zentraler Punkt: „Wir hatten in letzten Jahrzehnten zu wenig Bemühungen, das Verkehrssystem auszubauen. Allein der Antrieb bringt uns die Verkehrswende nicht.“ Wir bräuchten die Verkehrswende, sonst können die Klimaschutzziele nicht erreicht werden, so Hochfeld.

Christian Hochfeld hielt am Abend die Impulsrede

Bereits zum achten Mal wurde der PSD Bank Nord-Förderpreis verliehen. Aus über zehn eingereichten Bewerbungen wurde der mit 2.500 Euro dotierte Preis der Loki-Schmidt-Stiftung überreicht, die sich mit dem neuen Projekt „Kinder werden NaturForscher“ für mehr Naturnähe von Stadtkinder engagiert.

Frank Neitzel von der PSD Bank Nord übergibt den Förderpreis an die Loki-Schmidt-Stiftung

Einen weiteren Höhepunkt des Abends bildeten die „100 Sekunden“-Kurzvorträge. Das Start-up Cirplus baut eine Digitalplattform für den Handel mit recycelten Kunststoffen vor, die Initiative Hamburg liest weiter leitet ausgelesene Zeitungen an gemeinnützige Einrichtungen weiter und Team Green setzt sich für nachhaltige Mobilitätsmöglichkeiten ein. Außerdem dabei: die Initiative Go Banyo, die einen Duschbus für Obdachlose auf die Straße bringen will.

Die Vortragenden der 100 Sekunden-Reihe

„Der N Klub fragt nach?!“ mit Dr. Peter Tschentscher könnt ihr ab sofort in unserem Podcast noch einmal nachhören:

Als Gäste des Abends waren u.a. dabei:

Ralf Behrens (Behörde für Umwelt und Energie), Anja Berestetska (Mobilitätslabor), Prof. Dr. Michael Braungart (Epea GmbH), Prof. Dr. rer. Pol. Roland Deckert (HFH – Hamburger Fern-Hochschule), Henrik Düker (Greenpeace Energy eG), Björn Fischer (tricargo), Pascal Fromme (Pfand gehört daneben), Dorita Hermes (Hamburg Port Authority), Laura Hoyer (KlimaNVEST Green Concepts GmbH), Anja Lennartz (Loki-Schmidt-Stiftung), Alexander Liedke (WWF Deutschland), Dominika Mazurkiewicz (Klimapatenschaft GmbH), Frank Neitzel (PSD Bank Nord), Mathis Neuburger (Hamburger Morgenpost), Christian Priemer (Hamburger HOCHBAHN), Mimi Sewalski (Avocado Store GmbH) Norman Wiegand (Hamburger HOCHBAHN), Frank Wieding (Hamburger Tierschutzverein)

12. N Klub in Frankfurt: „Wir müssen über Geschichte lernen, aber vor allem müssen wir aus Geschichte lernen.“

Am Mittwoch, dem 17.04.2019, kamen rund 100 Vertreter von Vereinen, Initiativen und aus der Wirtschaft in der Bildungsstätte Anne Frank zum N Klub in Frankfurt zusammen und diskutierten aktuelle Herausforderungen und Aufgaben in der Nachhaltigkeitsszene der Mainmetropole.

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Vergangenen Mittwoch stellten Nicole und Claudia in 100 Sekunden die Arbeit vom Stitch by Stitch e.V. in Frankfurt vor. Sie haben gemeinsam mit professionellen Schneiderinnen, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind, eine B2B Schneider-Werkstatt gegründet, um kleine Serienproduktionen für lokale Start-Up Labels anzufertigen. Ganz besonders wichtig ist ihnen die Ausbildung und Integration im Werkstattalltag. Die Vielfalt der Menschen und ihre unterschiedlichen Kompetenzen, stärken ihr Unternehmen und gleichzeitig werden Sprachdefizite und -barrieren abgebaut. Weitere Informationen über das Projekt erhaltet ihr hier: www.stitchbystitch.de . . #nklub #nklubhh #nachhaltigkeitsklub #zukunftsfähigkeit #klub #nachhaltigkeit #nachhaltigesleben #netzwerk #sustainability #gemeinschaft #netzwerken #thereisnoplanetb #einfachmachen #fairfashion #newfashion

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Zum Auftakt des Nachhaltigkeitsnetzwerkes stellte Deborah Krieg von der Bildungsstätte Anne Frank e.V. in der Eröffnungsrede die Frage „Wie setzen wir uns eigentlich miteinander auseinander, um eine bessere Welt zu schaffen?“. Darüber hinaus plädierte sie für einen bewussten Umgang mit Geschichte: Es gehe nicht nur darum, über Geschichte etwas zu lernen, sondern vor allem auch aus der Geschichte zu lernen. Anschließend hielt Daniel Anthes (33) eine Impulsrede. Der Food- und Nachhaltigkeitsexperte war bereits vor einigen Jahren beim N Klub zu Gast und forderte nun in seinem Vortrag „mehr Mut und Zukunftsoptimismus, denn damit können wir etwas erreichen.“ Nachhaltig zu leben sei nicht nur für die Gesellschaft insgesamt besser, sondern auch für jeden Einzelnen ein Mehrwert: „Achtsamer Konsum bringt uns mentalen Reichtum“. Dirk Friedrichs stellte anschließend attac vor und hat u.a. über den Status Quo der Organisation und die rechtlichen Herausforderun-gen bzgl. Gemeinnützigkeit gesprochen.

Im Rahmen der beliebten „100 Sekunden“-Reihe präsentierten drei Frankfurter Initiativen ihre Projekte. Anna Meister von ZuBaKa will jugendlichen Migranten und Geflüchteten einen erfolgreichen Start in Schule und Beruf ermöglichen, BIEGL e.V. setzt sich für den Erhalt der Grünfläche am Günthersburgpark ein und Nicole von Alvensleben führt gemeinsam mit geflüchteten Schneiderinnen das Label Stitch by Stitch.

Wir blicken auf eine erfolgreiche N Klub-Reihe in Frankfurt zurück und bedanken uns bei allen Partnern und Gästen.

Als Gäste des Abends waren u.a. dabei:

Georg Schürmann (Triodos Bank), Helge Beck (Umweltforum Rhein Main), Youssef Bouniete (Stadt Frankfurt), Siraad Wiedenroth (Bildungsstätte Anne Frank), Cordula Delp (ball group – SCM2), Dr. Christiane Jünemann (Jünemanns junges Gemüse), Edith Kleber (Frankfurter Tafel), Matthias Lehnert (Oikocredit Geschäftsstelle Deutschland), Susanne Petry (Architektur im Dialog), Simone Steinberg (DB Mobility Logistics), Felix Große-Lohmann (Material für alle e.V.)

„Als Sozialsenatorin ist mir das Thema Energie total wichtig“ – Melanie Leonhard bekundet beim 38. N Klub Interesse an der Leitung der Umweltbehörde

„Wenn wir als Stadt in Zukunft eine Rolle spielen wollen, dann wird man weiter daran arbeiten müssen, dass sich auch die Hamburger Industrie als Teil der nachhaltigen Metropole versteht“: Mit dieser Aussage beschrieb Sozialsenatorin Melanie Leonhard (41, SPD) den Status Quo um die Nachhaltigkeit in der Hansestadt beim ersten N Klub 2019. Im Zuge dessen erklärte die Politikerin auch, dass sie sich die Leitung der Umweltbehörde durchaus zutraue. Leonhard war der Einladung von N Klub-Initiator Lars Meier in die MOTTE Altona gefolgt, um bei „Der N Klub fragt nach?!“ mit rund 140 Vertretern von Vereinen, Initiativen und aus der Wirtschaft aktuelle Aufgaben und Herausforderungen der Sozialbehörde zu diskutieren.

Auf die Frage, wie der Stand der Dinge bei der Integration der Geflüchteten sei, antwortete die Senatorin: „Anfang des Jahres waren 13.000 von 27.000 der arbeitsfähigen Geflüchteten in sozialversicherungspflichtigen Berufen. Und das ist eine richtig gute Zahl. Wir haben eine ganz tolle Unternehmerschaft in Hamburg, die sich sehr engagiert hat bei dem Thema“. Weiteren Handlungsbedarf sieht sie zudem vor allem im Bereich Elternzeit für Männer: „Ich muss immer anregen: Schöpft den gesetzlichen Rahmen aus. Und das ist für einige noch sehr schwierig. Wir müssen was im Kopf umstellen, sonst wird das ewig so bleiben.“

Lars Meier im Gespräch mit Sozialsenatorin Melanie Leonhard

Den Auftakt der mittlerweile 38. Ausgabe des Nachhaltigkeitsnetzwerkes bildete eine Impulsrede von Kübra Gümüşay (30). Die Autorin und Netz-Aktivistin gehört zu den prägenden Köpfen des Islam in Deutschland und ist eine Vorreiterin im Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Sie stellte fest: „Wenn Empörung zu einem Dauerwerkzeug wird und wir gar nicht mehr dazu kommen, die Vision, die wir haben, umzusetzen […], dann haben wir ein Problem.” Außerdem solle Hass nicht vermenschlicht werden: „Wer Hass streut, befindet sich außerhalb dessen, was sich innerhalb unserer Gesellschaft befinden sollte.“

Kübra Gümüşay hielt am Abend die Impulsrede

Einen weiteren Programmpunkt bildete die nunmehr siebte Verleihung des PSD Bank Nord-Förderpreises. Den mit 2.500 Euro dotierten Preis erhielt die Gesellschaft zur Erhaltung untergehender Kulturgüter Zeitlupe für das aktuelle Projekt „Mein Obstbaum“. Initiator Michael Heißenberg möchte damit Kindern und Jugendlichen näher bringen, wie Lebensgrundlagen erhalten werden können.

Michael Heißenberg (links) erhält den PSD Bank Nord-Förderpreis von Frank Neitzel

Im Rahmen der beliebten „100 Sekunden“-Reihe präsentierten schließlich vier gemeinnützige Hamburger Initiativen ihre Projekte: Martina Irmisch von „Radentscheid Hamburg“ setzt sich für ein sicheres Fahrradnetz in Hamburg ein, Heide Peuckert hat mit ihrem Unternehmen „MyLily“ nachhaltige Hygieneartikel für Frauen, wie Bio-Tampons, entwickelt und Konstanze Burger plant die Gründung der Schauspielschule „Andersrum“ für Menschen mit körperlicher und geistiger Einschränkung. David Hummel von „Zelt17“ wiederum möchte Menschen in ihrer Freizeit spielerisch an das Thema Nachhaltigkeit heranführen.

Kübra Gümüşay mit den Vortragenden der „100 Sekunden“-Reihe

Als Gäste des Abends waren u.a. dabei:

Janina Alff (Hanseatic Help), Kim Christophersen (Surf Club Altona), Ulf Bodenhagen (Hamburg Leuchtfeuer), Arnd Boeckhoff (Viva con Agua Foundation), Nicole Borgeest (Brot für die Welt), Max Brandt (Klimapatenschaften), Olaf Dechow (Otto GmbH & Co. KG), Insa Dehne (Stückgut Hamburg), Cornelia Deppe-Burghardt (Greenpeace e.V.), Kai-Oliver Farr (Engagement Global gGmbH), Manuela Haddadzade (NDR), Janina Jäger (startsocial e.V.), Lars Jessen (Bird & Bird Film GmbH), Varena Junge (enyway GmbH), Mitra Kassai (Oll Inklusiv), Fanny Märcz (ZEIT WISSEN), Christian Priemer (Hamburger HOCHBAHN AG), Linda Rau (JOBLINGE gAG Hanse), Mike Schlink (Hamburger Morgenpost), Jan Siegert (12min.me), Lars Straeter (Conplan Betriebs- und Projektberatungs GmbH), Patrick Alpoim (Vistro), Paul Pauksch (altonale GmbH), Chris Poelmann (GoBanyo), Rainer Ali Wichmann (Scharlatantheater), Mathias Adler (Tagesjournal), Uli Ott (MARLOWE NATURE – fair fashion)

Für mehr Nachhaltigkeit: Umweltsenator Jens Kerstan schreibt keine Weihnachtskarten (37. N Klub Hamburg, St. Pauli Kirche)

Hamburg, 07.12.2018
Für mehr Nachhaltigkeit: Umweltsenator Jens Kerstan schreibt keine Weihnachtskarten
Beim N Klub in der St. Pauli Kirche stellte Umweltsenator Jens Kerstan (52, Bündnis 90/Die Grünen) die Ziele der Behörde für Umwelt und Energie für das kommende Jahr vor. Zur 37. Ausgabe des Nachhaltigkeitsnetzwerkes trafen sich 120 Vertreter von Initiativen, Vereinen und aus der Wirtschaft, um mit dem Senator die Herausforderungen 2019 zu diskutieren.

„Die Wärmewende ist unser großes Ziel, denn damit legen wir den Grundstein, um 2022 das erste Kohlekraftwerk abschalten zu können“, so Umweltsenator Jens Kerstan im Gespräch mit N Klub-Initiator Lars Meier (Gute Leude Fabrik). Handlungsbedarf sieht der Politiker noch an anderer Stelle. „Die Lärm- und Luftqualität in Hamburg muss besser werden. Das ist eine Herkules-Aufgabe, aber der stellen wir uns.“
Außerdem verriet der 52-jährige, welchen Beitrag er für ein nachhaltigeres Weihnachten leistet. „Ich verschicke keine Weihnachtskarten mehr. Das ist ein Brauch, bei dem viele Ressourcen verschwendet werden, ohne dass man jemandem eine große Freude macht.“ Seinen persönlichen Anteil für mehr Umweltschutz im nächsten Jahr steuerte der Senator noch vor Ort bei. Er wurde Fördermitglied des Vereins Pacific Garbage Screening.

Dieser wurde zuvor von Gründerin Marcella Hansch (32) vorgestellt. Die Architektin entwarf ein Konzept, wie man die Ozeane von Plastikmüll befreien kann. Ihre Bilanz nach fünf Jahren Kampf für eine nachhaltigere Welt: „Es ist frustrierend, wie träge die Politik ist und wie viele Steine einem in den Weg gelegt werden. Umso schöner, wenn man sieht, was die große Masse gemeinsam schafft und was jeder Einzelne von uns leisten kann.“

Zum sechsten Mal vergab der N Klub den PSD Bank Nord-Förderpreis. Die mit 2.500 Euro dotierte Auszeichnung wurde an den Verein Westwind Hamburg vergeben. Dieser stellt bedürftigen Menschen in der Hansestadt Fahrräder schnell und unbürokratisch zur Verfügung.

Im Rahmen der „100 Sekunden“-Reihe präsentierten drei gemeinnützige Initiativen Hamburgs ihre Projekte. Die größte Aufmerksamkeit erntete das StrassenBUCH. Um Menschen, die auf der Straße leben, eine Möglichkeit zu geben ihre Kreativität auszuleben, erarbeiteten die Vereine MenscHHamburg und StrassenBLUES gemeinsam mit Rosi und Alex, zwei ehemaligen Obdachlosen, einen Foto- und Gedichtband. Die Texte und Bilder im Buch stammen aus der Zeit als Rosi und Alex wohnungslos waren. Diese Zeit gehört inzwischen der Vergangenheit an. Dennoch weiß Rosi noch wie bitter es sich anfühlt, in der Vorweihnachtszeit kein Dach über dem Kopf zu haben. So richtete sie zum Ende der Veranstaltung einen eindringlichen Appell an die anwesenden Gäste: „Lasst die Menschen draußen nicht im Stich! Helft dabei, Unterkünfte zu schaffen – besonders jetzt im Winter.“