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„Wir leben in einer Zeit, in der die Dinge ins Rutschen geraten sind.“ – Robert Habeck bei „N Klub fragt nach“-Spezial in der St. Pauli Kirche

Grün und nachhaltig wurde es am Dienstag, dem 18.12.2019 in der St. Pauli Kirche: Die Grüne Bürgerschaftsfraktion lud gemeinsam mit dem Nachhaltigkeitsnetzwerk N Klub zur Veranstaltung „Die Grüne Wirtschaft trifft Der N Klub fragt nach?!“.

Im Mittelpunkt des Abends stand die Sonderausgabe des Formats „Der N Klub fragt nach?!“: N Klub-Initiator und Gute Leude Fabrik-Geschäftsführer Lars Meier diskutierte mit Robert Habeck (Bundesvorsitzender BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) unter anderem über das Thema „Wo muss Politik Akzente für eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung setzen?“.

Angesprochen auf die viel diskutierte CO2-Steuer stellt Robert Habeck heraus: „Der CO2-Preis fängt mit 25 Euro an, eine Lenkungswirkung zu erzielen. Unternehmen, die Kohle verwenden, fangen aktuell an über Alternativen nachzudenken“. Zurzeit gehe es in der Politik darum, sinnvolle, geplante Kompromisse einzugehen. Habeck führt weiter fort, dass Kompromisse kein Zeichen für Scheitern seien, sondern vielmehr ein Anreiz dafür geben sollten, um parteiübergreifend gemeinschaftlich weiter voran zu schreiten. Angesprochen auf Fridays for Future sieht er hier die große Gefahr, eine ganze Generation für die kommenden 30 Jahre zu verlieren. Sollte die Politik hier nicht auf die Verzweiflung der jungen Menschen eingehen und entsprechende Themen auf den Weg bringen, würden sich diese entweder radikalisieren oder enttäuscht von der Demokratie zurückziehen, so Habeck.

In Katharina Fegebank sieht er eine Person, die die Lebensfreude und Unmittelbarkeit verkörpert, um solche Themen anzugehen und die Hansestadt Hamburg auf dem Weg in die Zukunft zu begleiten. „Sie weiß, ob die Züge pünktlich kommen und wie man Bier trinken darf, ohne vom Schaffner weggebürstet zu werden“, ergänzt Habeck. Seine öffentliche Position sieht er etwas kritisch, weil das Bild eines Politikers bestimmte Assoziationen bei den Menschen wecke und vielfältige Erwartungen an seine Person. Er dürfe dann nicht mehr fliegen, nicht auf Kreuzfahrt gehen oder beim Discounter einkaufen, weil es nicht zu dem öffentlichen Bild passe: „Wir dürfen uns dann auch nicht wundern, wenn manchmal Beschlüsse in der Politik gefasst werden, die an den Bedürfnissen der Menschen vorbei gehen“, schließt Habeck ab.

Im Vorfeld des Interviews sorgte eine spannende Panel-Diskussion für viel Gesprächsstoff unter den 320 Gästen. Moderiert von Dominik Lorenzen (Abgeordneter der Grünen Bürgerschaftsfraktion und Sprecher für Wirtschafts- und Hafenpolitik) debattieren Wybcke Meyer (Geschäftsführerin TUI Cruises), Tarek Müller (Geschäftsführer About You) und Antje Schubert (Geschäftsführerin Iglo) um die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen.

„Wir dürfen nicht mit dem Zeigefinger voran gehen, sondern müssen dem Verbraucher die Möglichkeit geben auszuwählen“, stellt Antje Schubert auf die Frage nach der Zukunftsvision der Firma Iglo heraus. Verschiedenste, technische Möglichkeiten, die wachsende Nachfrage nach Nahrung hinsichtlich steigender, globaler Bevölkerung zu sichern, böten Chancen, dieser Nachfrage nachzukommen. Entsprechende Subventionen und Anreize müssten hierzu geschaffen werden, um diese Ziele zeitnah umzusetzen. Für den Tourismus-Bereich sind entsprechende Knöpfe schon gedrückt, um die Kreuzfahrt zukünftig attraktiv, nachhaltig und emissionsfrei zu gestalten, stellt Wybcke Meyer in diesem Zusammenhang heraus. „Deutschland hat eine große Chance, um synthetische Kraftstoffe herzustellen“, fügt sie hinzu. „Wir wollen bereits 2020 emissionsfrei sein“, erklärt Tarek Müller unter zustimmendem Applaus der Gäste. Entsprechende, selbst für das Unternehmen überraschend kostengünstige Alternativen habe About You bereits schon umgesetzt. Man müsse Unternehmen durch entsprechende Sanktionen und Strafen, vor allem im CO2-Ausstoß, auf den richtigen Weg bringen, um Unternehmen, die bereits in der Umstellungsphase sind, zu stärken. Gleichzeitig müsse man aber auch dafür sorgen, dass Firmen nicht durch Sanktionen aussterben, sondern diese durch Förderungen und rechtliche Grundlagen unterstützen.

Das vollständige Interview mit Robert Habeck könnt ich euch in unserem Podcast noch einmal anhören: