Vom Hambacher Forst in die Kleiderkammer – der N Klub bei Hanseatic Help e.V.

Vom Hambacher Forst in die Kleiderkammer – der 36. N Klub Hamburg bei Hanseatic Help e.V.

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  • September 19, 2018

Unterhaltsame Bühnengespräche und ernste Anliegen beim N Klub zwischen Kleiderkisten: Im Lager des Vereins Hanseatic Help informierten sich gestern Abend rund 140 Interessierte und Engagierte über Hanna Poddig Erlebnisse im Hambacher Forst und Falko Droßmanns Pläne für den Bezirk Hamburg-Mitte.

18. September 2018 – Informieren, Impulse geben und ein Forum für den Austausch bieten – das ist das Anliegen des Netzwerktreffens N Klub, das regelmäßig Hamburger mit Interesse am Thema Nachhaltigkeit zusammenbringt. Dieses Mal dürfte aber auch der ungewöhnliche Veranstaltungsort zum großen Ansturm auf das kleine Event beigetragen haben: Zwischen Kleiderstangen und Kartons empfingen Veranstalter Lars Meier von der Gute Leude Fabrik und die Gastgeber des 36. N Klub, der Verein Hanseatic Help, rund 140 Gäste. Unter dem Motto „Einfach machen“ unterstützt Hanseatic Help Geflüchtete, Obdachlose, Kinderheime und Krankenhäuser mit gespendeter Kleidung und bot den N-Klub-Gästen Einblick in ihr Arbeitsumfeld.

Auf einer Bühne aus Paletten leitete Dr. Katharina Reuter das Bühnenprogramm ein. Die Geschäftsführerin von UnternehmensGrün e.V. stellte den Bundesverband der grünen Wirtschaft vor und mahnte politische Veränderungen an, um nachhaltiges Wirtschaften zu ermöglichen: „Die politischen Rahmenbedingungen sind nicht so gesetzt, dass man in diesem Ansinnen unterstützt wird.“

Ein weiteres Ausrufezeichen setzte Umweltaktivistin und Autorin Hanna Poddig, die gerade erst aus dem Hambacher Forst in die Hansestadt zurückgekehrt ist. „Dieser Wald ist in vielen Aspekten ein sehr trauriger Ort – die Leute verlieren ein Zuhause und einen sozialen Ort, und alle verlieren einen wirklich wertvollen Wald.“ Aufgrund von Konzerninteressen sei der Wald bereits von 4000 auf 200 Hektar geschrumpft. Sie fasst ihren Einsatz für den Forst mit dem Zitat eines Aktivisten vor Ort zusammen: „Wir kämpfen nicht nur um den Wald, sondern auch um die Herzen.“

Anschließend stand der Talk „Der N Klub fragt nach?!“ mit Bezirksamtsleiter Hamburg-Mitte Falko Droßmann auf dem Programm. „Für mich und meine Mitarbeiter ist Mitte Rock‘n Roll“, fasst Falko Droßmann seine Arbeit in dem Bezirk, der sich von der Veddel bis St. Pauli erstreckt, zusammen. Im unterhaltsamen Gespräch mit N-Klub-Initiator Lars Meier ging es um Sozialpolitik, Senatorenambitionen und die Hamburgische Zivilgesellschaft.
So sprach Droßmann der lebendigen Helfer-Szene in Hamburg ein großes Lob aus. Diese habe die Stadt im Jahr 2015 angesichts des immensen Flüchtlingsstroms vor einem Verwaltungs-Kollaps wie in Berlin bewahrt. „Das war partnerschaftlich ein ziemlich geiler Erfolg“, so der SPD-Politiker. Erfolgreich würden auch die vielen Großveranstaltungen in Mitte gestemmt – von Ironman bis Schlagermove, immer mische der Bezirk Mitte mit. Mit einem Augenzwinkern schlug Droßmann eine Verlagerung einiger Veranstaltungen vor: „Der Schlagermove könnte auch mal die Elbchaussee entlang gehen.“
Ernstere Töne schlug er jedoch auch an, denn der Bezirk stehe vor großen Herausforderungen: Über 70 Prozent der unter 18-Jährigen hätten einen Migrationshintergrund, 60 Prozent aller Kinder lebten in einer Bedarfsgemeinschaft und seien vom Staat abhängig, außerdem bestünde die Hälfte der Familien in seinem Zuständigkeitsbereich aus Alleinerziehenden. Gleichzeitig sei „(…) die Struktur der Bezirksverwaltung in Hamburg eine Katastrophe“, die Prozesse dauerten sehr lange. Dies soll zukünftig verbessert werden. Als Meier den Politiker auf mögliche Aspirationen auf den Posten des Wirtschaftssenators anspricht, betont Droßmann, er sei noch dreieinhalb Jahre Bezirksamtsleiter, fände die Themen Innovation und Verkehr aber „spannend“. „Bis jetzt ist aber noch niemand auf die bescheuerte Idee gekommen, mich zu fragen“, fügte er schmunzelnd hinzu.

Im Rahmen der „100 Sekunden“-Vorträge, für die der N Klub bekannt ist, zeigten sich Hamburgs Initiativen gewohnt vielseitig. Den Anfang machte eine Gruppe um Sylvia Klöpfel vom Verein De Fleetenkieker: „Wir fischen Styropor, Plastikmüll und alles, was nicht in die Alster gehört, mit der Hilfe von Kindern, Schülergruppen und weiteren Freiwilligen heraus“. So kombiniert der Verein Umweltschutz und Jugendarbeit und setzt sich so „für die Tiere, für die Natur und für ein schönes Hamburg“ ein.
Lara Maria Wichels und Jamie Watson von Pinkstinks Germany e.V. stellten ihre Empowerment-Geschichte „David und sein rosa Pony“ vor. Damit sollen Klischees aus dem Weg geräumt werden. „Es ist wichtig, dass wir Menschen auf Homophobie und Sexismus aufmerksam machen“. Die Aktivistinnen wollen aufklären, indem sie die fiktive Geschichte von David und seinem rosa Pony deutschlandweit an Schulen erzählen.

Eine Verbesserung der Gesundheitsvorsorge für obdachlose oder geflüchtete Frauen schaffen, dieses Ziel hat sich das Projekt Women’s Health Team gesetzt. „Wir sind eine Gruppe von Hebammen und Gynäkologinnen, die sich seit August 2015 für eine bessere gynäkologische Versorgung von geflüchteten Frauen einsetzen“, erklärt Ärztin Mirjam Wagner. „Wir haben jetzt sogar eine mobile Praxis, die zwei Mal monatlich eine Sprechstunde für alle bedürftigen Frauen auf dem Hansa-Platz anbietet“, fügt sie hinzu.
Leckeren Kaffee und Kuchen auf Spendenbasis gepaart mit interkulturellen Begegnungen gibt es im frisch eröffneten Treppencafé auf St. Pauli. „St. Pauli hat uns eine neue Heimat gegeben. Jetzt möchten wir uns mit dem Treppencafé um St. Pauli kümmern“, erzählen Amir Reza und Amad Beram über ihr Projekt.

Zum fünften Mal vergab der N Klub den PSD Bank Nord-Förderpreis. Der mit 2.500 Euro dotierte Preis wurde an das Zimmerwetter-Projekt des Regionalverband Umweltberatung Nord e.V. verliehen. Frank Neitzel, Vorstandssprecher der PSD Bank Nord, erklärte zur Auswahl des Gewinners: „Es ist ein tolles Projekt, das zu unserer Kernkompetenz Baufinanzierung passt und Kinder miteinbezieht“. Zimmerwetter setzt sich für das gesunde Aufwachsen in schadstoff- und schimmelpilzfreien Räumen sowie Klimaschutz durch energiesparende Raumnutzung ein. Im Vorfeld der Veranstaltung wählte eine Jury den Gewinner unter 15 Bewerbern aus.