„Wir wollen nicht über Probleme, sondern über Problemlösungen reden“ – 35. N Klub in Hamburg

„Wir wollen nicht über Probleme, sondern über Problemlösungen reden“ - 35. N Klub in Hamburg

130 Gäste diskutierten gestern Abend beim 35. N Klub im Goldbekhaus mit Ties Rabe, Hamburgs Senator für Schule und Berufsbildung, über die Zukunftsfähigkeit der Hamburger Schulen und ließen sich von Impulsvorträgen rund um das Thema Nachhaltigkeit inspirieren.

Nachhaltigkeit ist seit Jahren in aller Munde – doch welche Ansätze sind wirklich zukunftsfähig und können konkret umgesetzt werden? „Wir wollen nicht über Probleme, sondern über Problemlösungen reden“, ruft N Klub-Initiator Lars Meier den Gästen zum Auftakt des 35. N Klub in Hamburg zu. Der N Klub lädt die Nachhaltigkeitsszene seit zehn Jahren regelmäßig zum Netzwerken ein und liefert neue Denkanstöße.

Einen konkreten Lösungsansatz stellte Viva-con-Agua-Mitbegründer Michael Fritz in seinem Impulsvortrag zu Beginn der Veranstaltung vor: Mit Projekten wie der Millerntor Gallery – ein gemeinnütziges Kunst- und Kulturfestival im Stadion des FC St. Pauli – oder dem Fußballformat „Viva con Agua Allstars“ sammelt der Hamburger Verein seit Jahren Spenden mit dem Ziel, allen Menschen einen Zugang zu sauberem Trinkwasser und eine menschenwürdige sanitäre Versorgung zu ermöglichen.

Wie steht es um die Bildung an Hamburgs Schulen? Steht Nachhaltigkeit dort auf dem Lehrplan? Darüber sprach N Klub-Initiator Lars Meier im Anschluss mit Hamburgs Schulsenator Ties Rabe im Format „Der N Klub fragt nach?!“.

Ties Rabe zufolge wurde mit dem überparteilichen Schulfrieden bereits vor Jahren eine wichtige Basis geschaffen, die nachhaltiges Arbeiten ermöglicht. Als ehemaliger Lehrer kennt Rabe die Bedingungen und den Alltag an Hamburger Schulen und fühlt sich dem Lehrerberuf nach wie vor stark verbunden – ebenso wie einer nachhaltigen Haltung. Zu einem Fach „Nachhaltigkeit“ hat er dennoch eine klare Meinung:  „Nachhaltigkeit als Schulfach? Da sage ich immer kategorisch nein“. Vielmehr müsse man das Thema Nachhaltigkeit in mehreren Fächern aufgreifen.
 

Als zentrale Aufgabe der Stadt sieht er andere Herausforderungen: „40 Prozent der Hamburger Schüler haben Zuhause keinen Rückenwind in Bezug auf Bildung“. Gründe dafür seien etwa, dass die Eltern schlecht Deutsch sprechen oder selbst Schwierigkeiten in der Schule hatten. Diesen Kindern müsse man einen guten Bildungserfolg ermöglichen. Zudem haben 50 Prozent der Kinder in Hamburg Rabe zufolge einen Migrationshintergrund, im Bundesvergleich ein sehr großer Anteil. Die Schule müsse also immer auch einen Beitrag zur Integration leisten und so zum Zusammenhalt der Gesellschaft beitragen.

Auch der erste „100 Sekunden“-Kurzvortrag nahm das Thema Bildung auf. Donya Golafshan und ihr Team berichteten von ihrem Projekt MUT Academy, das abschlussgefährdeten Schülern den namensgebenden Mut vermitteln und ihnen so zu einem erfolgreichen Schulabschluss sowie einem anschließenden Berufseinstieg verhelfen soll. 48.000 Jugendliche und 250.000 Arbeitslose zwischen 18 und 25 Jahren brauchen den Referenten zufolge jedes Jahr in Deutschland „Mut“ im Hinblick auf ihren Abschluss und Berufseinstieg. Die Erfolgsquote der bisherigen Projektteilnehmer ist hoch: „96 Prozent von unseren 52 Teilnehmern haben ihren Schulabschluss geschafft“, so Donya Golafshan.
 

Auch Linda Brack nutzt die Gelegenheit, über ein Anliegen zu sprechen, das ihr am Herzen liegt: Female Empowerment. Mit der Initiative #Frauenmacht möchte sie Frauen dazu anregen, ihre Ziele und ihre Wünsche im Hinblick auf ihr Leben und ihre Karriere ohne Scheu zu verfolgen. „Ziel ist es, am Ende des Tages nur noch zu gucken: Wer ist der Mensch eigentlich, und nicht, ob Frau oder Mann“.

In weiteren „100 Sekunden“-Kurzvorträgen zeigte sich die Vielfalt des Themas Nachhaltigkeit in Hamburg. Manuel Dingemann etwa stellte seine Firma Erster Sinn vor, die ausschließlich Videos für nachhaltige Unternehmen produziert. Der Auslöser für die Gründungsidee liegt acht Jahre zurück – „Da habe ich vom Klimawandel und dessen Konsequenzen erfahren“, so Dingemann. Jetzt vereinigt er Beruf und Berufung. Sein Konzept Videohero befähigt Workshopteilnehmer nachhaltiger Organisationen, ihre Videos selbst zu gestalten, und unterstützt auch noch vier Monate über den Workshop hinaus mit wöchentlichen Telefoncoachings.

Bedo Kayaturan hielt ebenfalls einen Kurzvortrag. „Die Bio-Brotbox versorgt Schulkinder mit Frühstück“, so der Botschafter der Initiative. Denn viel zu oft kämen Schulkinder ohne Frühstück in den Unterricht. Das Projekt Bio-Brotbox wird vom Förderverein für ökologische Entwicklung Gut Wulksfelde e.V. getragen und sorgt mit zahlreichen Unterstützern seit 2006 für Aufklärung und ein gesundes Frühstück an Hamburger Schulen.

 

Bereits zum vierten Mal wurde gestern der PSD Bank Nord-Förderpreis verliehen, dessen Preisträger aus über 15 Bewerbungen ausgewählt wurde. Der Deutsche Waldjugend Landesverband Hamburg e.V. konnte sich über 2.500 Euro Unterstützung von der Genossenschaftsbank freuen.

 
SOCIAL: #nklubHH

Als Gäste des Abends waren u.a. dabei:

Nicole Borgeest (Brot für die Welt), Dr. Thomas Brakensiek (Hamburger Volksbank), Thore Debor (Clubkombinat Hamburg e.V.), Kim Christopher Birtel (Surf Club Altona), Nicole Diekmann (Kooperation Nord), Simon Eckhardt (Alfred Töpfer Stiftung), Uwe Emmenthal (Nutzmüll e.V.), Arzu Erdogan (Rechtsanwaltskanzlei Erdogan), Robin Himmelmann (FC St. Pauli von 1910 e.V.), Bärbel Hoppe (Wohngemeinschaft Trio21), Laura Hoyer (KlimaINVEST Green Concepts GmbH), Rainer Lenthe  (Sea Shepherd Deutschland e.V.), Dr. WolfgangLührsen (BUND Hamburg), Ines Möller (Deutsche Waldjugend Landesverband Hamburg e.V.), Sonja Norgall (Der Mitternachtsbus), Marco Pietsch (PSD Bank Nord eG), Ties Rabe (Senator für Schule und Berufsbildung), Peter Rautenberg (Goldbekhaus Winterhude), Sieglinde Ritz (Johann Daniel Lawaetz-Stiftung), Dr. Axel Röpke (Bundesverband Windenergie), Hauke Rüsbüldt (Gut Wulksfelde), Helen Schepers (FahrradGarderobe), Imke Schumacher (Universal Pictures Germany GmbH), Cornelia Springer (Uni Hamburg), André Thaller (PSD Bank Nord eG), Jim Ulrici (Conplan Betriebs- und Projektberatungs GmbH), Robert Werner (HIC HAMBURG INSTITUT Consulting GmbH), Lars Wilcken (Institut für Umwelt, Coaching & Training),  Jens Witt (Wackelpeter – Ökologisches Essen für Kinder) und viele weitere…